Die Bastionen - die Verteidigung der Burg

Kurvige Brücken und kurvige Tunnels.


Brücke Tiergärtnertor  
Die Brücken vom Tiergärtnertor und vom Vestnertor und auch die Tunnels unter der Tiergärtnerbastion und der Schweden- oder Vestnertorbastion wurden kurvig gebaut.

Tunnel Tiergärtnertor  
Durch diese Bauweise sollte es dem Feind erschwert werden, die Burg anzugreifen.

Durch die gebogene Bauweise konnte nicht gerade mit Kanonen durch die Tunnels geschossen werden. Schweres Kriegsgerät konnte zudem nicht so einfach an die Wehrmauern herangebracht werden, da es erst um die Kurven herum bugsiert werden musste.

Die beiden Öffnungen an der Decke vom Tunnel dienten der weiteren Verteidigung.
Konnte doch mal ein Feind durchbrechen, konnte von den darüberliegenden Bastionen heißen Pech herunter gegossen werden.


Tiergärtnertorturm  
Nach dem Bau der Bastionen wurde der Durchgang vom Tiergärtnerturm hinfällig.

Tiergärtnertor

 
Der Durchgang durch den Turm wurde zugemauert. Am Turm sind noch die Umrisse des alten Tors zu sehen.

Neben den Turm entstand das neue Tor, an dem sich der Tunnel unter der Bastion anschließt.


In den Bastionen und weit darunter - die Kasematten und die Lochwasserleitungen.


Kasematte  
Innerhalb der Burgbastionen können in Rahmen einer Führung die Kasematten oder Wehrgänge besichtigt werden.
Diese Führungen bietet der Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V. an.

Diese Wehrgänge wurden zur Verteidigung der Burg vom Baumeister Antonio Fazuni in die drei großen Bastionen mit eingebaut.

Durch einen Zugang, der etwas südlich vom Rosengarten liegt, gelangt man in die Kasematten.

Auf den Bastionen sind die Belüftungsschächte der Kasematten zu sehen. Durch diese Belüftungsschächte konnte der Rauch der Geschütze und Waffen abziehen.


Kasematte  
Auf den Bastionen sind die Belüftungsschächte der Kasematten zu sehen. Diese befinden sich zahlreich an den Außenwänden der Bastionen. Durch diese Belüftungsschächte konnte der Rauch der Geschütze und Waffen abziehen.


Kasematte  
Innerhalb der Kasematten sind die Belüftungskamine an den Decken zu sehen.


Kasematte  
Die Kasematten wurden als Spitztonnengewölbe mit einem Schlussstein gebaut. Durch diese Bauform konnten hohe und stabile Gänge in den Bastionen gebaut werden.

Im Bild ist der Keilförmige Schlussstein zu sehen.


Kasematte  
Die Gänge der Kasematten sind mit breiten Rampen ausgestattet, von dort aus wurde sämtliches Material zur Verteidigung in die Kasematten eingebracht.

In Friedenszeiten wurde von dort auch alles Material wieder aus den Kasematten herausgebracht, da es in diesen zu feucht für eine dauerhafte Lagerung ist.


Kasematte  
Das Gewölbe der Kasematten wurde sehr hoch gebaut, damit der Rauch der Geschütze und Waffen schnell nach oben abziehen konnte, und die Verteidiger in den Kasematten nicht behinderte.

Noch heute sind die dunklen Rauchspuren vom Schwarzpulver in den Gewölben zu sehen.


Kasematte  
Innerhalb der Kasematte gibt es noch Ausfallpforten.

Diese wurden als Notausgänge mit eingebaut. Falls der Feind doch irgendwie innerhalb der Kasematten gelangen konnte, konnten durch diese Pforten die eigenen Leute nach draußen in den Burggraben gebracht werden.

Eine andere Möglichkeit sah vor, das die eigenen Leute durch gezieltes öffnen der insgesamt sechs Ausfallpforden in den Burggraben zum Nahkampf gelangen konnten.

Die Steine in den Ausfallöffnungen waren nicht verfugt, mit dem Holzbalken, der Quer an der Wand angebracht ist, wäre die Ausfallpforte aufgestoßen worden.

Während des Baus der Bastionen mussten diese Ausfallöffnungen Geheim gehalten werden, damit diese Schwachstellen in den Bastionen nicht bekannt wurden.

An der Außenwand der Bastion sind diese Öffnungen nicht zu sehen!


Kasematte  
Der Burggraben wurde unter anderem durch "Hakenbüchsen" verteidigt, die durch sogenannte "Hosenscharten" in den Burggraben zielten.

Dem Schwarzpulver wurden dazu z.B. rostige Nägel beigemischt, es hatte somit die Wirkung von einer breit streuenden Schrotmunition.

Die Hosenscharten haben drei Öffnungen, somit entstand kein toter Winkel bei der Verteidigung.


Kasematte  
Vom Burggraben aus gesehen sind die Hosenscharten drei nebeneinanderliegende Öffnungen in den Bastionen, direkt am Boden vom Burggraben.


Kasematte  
Für Lagerung der Munition und vom Schwarzpulver sind in die Innenwand der Kasematten Nischen eingebaut.

Diese sind versetzt zu den Hosenscharten angeordnet, damit bei einem eventuellen Durchschuss durch die Scharten das Schwarzpulver nicht getroffen werden konnte, und dann in die Luft flog...


Kasematte  
Die Bastionen wurden mit unterschiedlich harten Sandsteinen gebaut.

Der härtere Sandstein wurde für die Außenwände verwendet, der weichere Sandstein für die Innenwände.

An den Innenwänden sind deutliche Spuren der Verwitterung an den Wänden zu sehen.

Durch die Entlüftungsöffnungen herrscht ein beständiger Luftzug, der leider auch durch Abgase verschmutzte Luft in die Kasematten mit einbringt.
Der innere weiche Sandstein fängt dadurch zum "abbröseln" an, was an den deutlichen Mulden zu sehen ist.


Kasematte  
An einigen Steinen sind auch die Initialen der Steinmetze mit eingeschlagen.


In den Kasematten geht es noch tiefer hinab in die Lochwasserleitungen.

Diese Stollen und Felsengänge zur Wassergewinnung, die den Burgberg durchziehen wurden bereits 1459 vom "Röhrenmeister" Scharpf beschrieben.

Die Stollen der Lochwasserleitung wurden unter strenger Geheimhaltung erbaut. Alle 50 Meter wurde die komplette Mannschaft ausgetauscht und die Stollen wurden anschließend mit anderen Leuten weiter gebaut.
Die alte und die neue Mannschaft wurden zudem zu unterschiedlichen Eingängen in den Stollen ein- und ausgebracht, damit der Verlauf des Stollens nicht weitergegeben werden konnte.

Die Trinkwasserversorgung mit frischem Wasser war im Mittelalter sehr wichtig. Es gab wie heute noch kein Wasser aus der Leitung und auch keine Klärwerke.
Alle Abfälle und Extremente landeten auf der Straße, wodurch das Wasser sehr verunreinigt wurde. Nur das Wasser, das tief aus dem Burgberg durch diese Stollen gewonnen wurde, war noch sauber, weshalb diese Stollen sehr geschützt wurden, damit diese nicht verunreinigt werden konnten.

Die Lochwasserleitungen führten ursprünglich bis zum alten Rathaus zu den Lochgefängnissen, daher haben sie auch ihren Namen.
Im Verlauf des letzten Weltkrieges stürzten diese Stollen im Bereich der Sebalduskirche ein, deshalb ist die direkte Verbindung von der Burg zum alten Rathaus nicht mehr begehbar.
Die Verbindung von den Lochwasserleitungen zu den Felsengängen existierte ursprünglich nicht, sondern wurde erst in neuerer Zeit geschaffen.


   ↓    Ein Klick in das Bild bringt sie zu einer kleinen Bildergalerie von den Lochwasserleitungen.   ↓   


Lochwasserleitung


Röhrenbohrmaschine  
Einige Bilder dieser Galerie entstanden am "Internationalen Tag des Wassers", an dem neben den Führungen durch die Lochwasserleitung auch eine mittelalterliche Röhrenbohrmaschine auf dem Tiergärtnertorplatz aufgebaut war.

Die Führungen starteten im Historischen Kunstbunker und führten auf anderen Pfaden durch die Lochwasserleitungen.


Auf der Vestnertorbastion wurde 2007 das Eimmart-Denkmal errichtet.

Eimmart-Denkmal  
Diese Gedenksäule soll an die Sternwarte von Georg Christoph Eimmart (1638 bis 1705) erinnern, die hier auf der Vestnertorbastion ihren Standort hatte.

Eimmart öffnete diese Sternwarte für die Bevölkerung, so das diese Sternwarte als die erste Volkssternwarte der Neuzeit bezeichnet werden kann.

Die wissenschaftlichen Arbeiten sind weniger bedeutend für diese Sternwarte gewesen, vielmehr wurden hier auch junge Menschen in der beobachteten Astronomie solide ausgebildet.


Die Sternwarte wurde im Jahr 1678 eingerichtet.

Zu den Geräten gehörten unter anderem:


Die Bastion und die Sternwarte musste 1688 kurzfristig geräumt werden, da die Gefahr bestand, das Franzosen nach Franken einfallen.

Nach seinen Tod im Jahr 1705 erwarb die Stadt Nürnberg die Sternwarte, die von Johann Heinrich Müller und seinen Nachfolger Johann Gabriel Doppelmayr weiter betrieben wurde.

Nach den Tod von Doppelmayr wurde die Sternwarte von Georg Moritz Lowitz weitergeführt, der 1751 die völlig veralteten Geräte abbauen ließ.

Eine erneute Aufstellung der Sternwarte scheiterte an den Finanzen.


Eimmart-Denkmal  
Auf der Sternwarte arbeitete und beobachtete auch Eimmarts Tochter Maria Clara (* 27. Mai 1679; ✝ 28. Oktober 1707).

Maria Clara Eimmart war eine eigenständige astronomische Beobachterin.

Sie fertigte vor allem Skizzen des Mondrandes an und beobachtete am 12. Mai 1706 die ringförmige Sonnenfinsternis.

Das nebenstehende Bild aus dem Buch "Oeconomus prudens et legalis" von Philippus Franciscus Florinus könnte von der Eimmart-Sternwarte inspiriert sein.
So ähnlich könnte man sich dann Maria Clara Eimmart vorstellen.

Die meisten Skizzen, die sie vom Mond angefertigt hat, sind in St. Petersburg, einige ihrer astronomischen Gemälde sind in der Sternwarte von Bologna.


Die Kasemattentürme an der Vestnertormauer

Die Kasemattentürme der letzten Stadtbefestigung sind mit römischen Ziffern bezeichnet. Beginnend von der Burg geht es im Uhrzeigersinn mit dem Kasemattenturm I los, der nach der Streichwehr mit ihrem Kasematten- oder Grabenturm der Vestnertormauer folgt.

Die Zählung geht bis zum Kasemattenturm XXII, der aber nicht in der Denkmalliste von Nürnberg aufgeführt ist.

Streichwehr am Fünfeckturm  
Die Streichwehr mit dem Graben- oder Kasemattenturm am Fünfeckturm diente dem Nahkampf der in den Burggraben gelangten Feinde.


Kasemattenturm I  
Der Kasemattenturm I.

Dieser Turm aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde am 2. Januar 1945 völlig zerstört.

2005 begann der Wiederaufbau des Turmes, durch den Verein zur Förderung der studierenden Jugend Nürnberg e.V. der Mithilfe vieler Spender finanziert wurde.

Der Rohbau besteht aus Ziegelsteinen, die Fassade wurde mit Sandsteinen verkleidet.


Grabenturm  
Der Grabenturm "schwarzes B" an der Vestnertormauer 5.

Mit diesem Grabenturm beende ich meine Rundreise um die Kaiserpfalz in Nürnberg.

In den renovierten Grabenturm trifft sich die Nürnberger Burschenschaft "Pythagoras".
Auch Märchen, von einer Gruppe aus Erzählerinnen vorgetragen, werden dort im Rahmen "Märchen im Turm" an jedem letzten Donnerstag im Monat vorgetragen.
(Stand der Info: August 2015).