Das Aufsuchen und Beobachten von
Planeten am Taghimmel

Planeten am Taghimmel zu beobachten ist eine sehr reizvolle Aufgabe in der Amateurastronomie.
Am Taghimmel lassen sich vor allem die beiden inneren Planeten von unserem Sonnensystem, Merkur und Venus, besser beobachten als wenn diese am Morgen oder Abendhimmel stehen und dadurch von der zunehmenden Luftunruhe schwieriger zu beobachten sind.



Warum eigentlich am Tag beobachten?

Lichtweg durch die Lufthülle Steht ein Planet bei der Beobachtung in der Nähe des Meridian, seinen höchsten Punkt im Laufe der Tages, dann ist der Weg des (von der Sonne reflektierten) Lichts vom Planeten durch die Lufthülle der Erde geringer als wenn nahe am Horizont beobachtet wird.
In der Nähe des Meridians muss durch weniger durchaus turbulente Luftschichten beobachtet werden als wenn nahe am Horizont beobachtet wird.
Die geringere Dicke der Luftschichten ergibt ein besseres Bild als ein Blick durch die dickere Luftschicht in Horizontnähe, die eine größere Luftunruhe oder ein schlechteres Seeing mit sich bringt.

Das weit aus bessere Bild in der Nähe des Meridians ist im Okular deutlich zu sehen. Während Venus am Abendhimmel sehr unruhig im Okular steht und sich nur schwierig scharfstellen lässt, ist sie am Taghimmel, idealerweise an ihrem höchsten Stand über dem Horizont, sehr ruhig im Okular.
Ein weiterer Vorteil ist es, das dass überstrahlen besonders der Venus im Okular vermieden wird.


Doch wie kann man einen Planeten am Taghimmel auffinden?

Ich gehe hier von einer mobilen parallaktischen Montierung aus, die kein GoTo besitzt.
Mit Dobsons oder anderen azimutalen Montierungen habe ich keine Erfahrung.


Mit einer GoTo Montierung ist es sehr einfach, einen Planeten am Taghimmel zu finden, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ohne GoTo werden an einer parallaktischen Montierung andere Aufsuchhilfen benötigt.


Die Montierung, der tragende Teil für unser Teleskop.

Montierung  
Nachts kann man das Stativ einer parallaktischen Montierung im Grunde genommen windschief aufstellen oder an einer Wand befestigen. Wichtig ist nur, das die Rektaszesionsachse genau auf dem Polarstern ausgerichtet ist.

Für die Beobachtung am Taghimmel sieht das ein klein wenig anders aus:
Da man hier keinen Polarstern sieht, kann die Montierung auch nicht an diesem ausrichtet werden.

Für das mobile Beobachten am Taghimmel ist es unerlässlich, das die Montierung in der Nacht genau aufgestellt wird und so eingerichtet wird, das diese reproduzierbar wieder am Taghimmel aufgestellt werden kann.

Die Montierung sollte mit den eingebauten Dosenlibellen oder einer Wasserwaage gerade aufgestellt werden und mittels des Polsuchers auf den Himmelspol ausgerichtet werden.
Hilfreich ist es noch, die Azimutverstellung beim eingestellten Polarstern in die Mitte vom Verstellbereich zu bekommen, das ergibt bei dem nachfolgenden Aufbau am Taghimmel eine höhere Genauigkeit.
Ebenfalls muss die Polhöhe geklemmt werden, so das diese sich nicht von selbst verstellen kann. Wird immer auch dem gleichen Breitengrad beobachtet, kann die Polhöhe fest eingestellt bleiben.

Falls immer am selben Standort beobachtet wird, kann mit am Boden angebrachten Markierungen geholfen werden, die Montierung sehr genau auf den Himmelspol eingestellt aufzubauen.


Kompass  
Da ich weit weg von Gebäuden und versiegelten Flächen draußen in der Natur beobachte, steht mir die Möglichkeit von Markierungen für das Stativ am Boden nicht zur Verfügung.
Ich behelfe mir mit einem Wanderkompass, um die Montierung auf dem Himmelspol auszurichten.
Dazu wird kein teuer Kompass benötigt, es reicht ein ganz einfacher Kompass der aber nicht zu klein sein sollte.

Ich stelle mich dazu auf die Südseite des Stativs und schaue nach Norden. Ich halte dann den Kompass über das Stativ und richte das Nordbein vom Stativ nach Norden aus. Nach dem Aufsetzen der Montierung bringe ich diese mit den eingebauten Dosenlibellen in die Waage.

Aus meiner Praxis kann ich berichten, wenn ich nach dieser Methode meine Montierung in der Dämmerung oder am Nachthimmel aufstelle, habe ich den Polarstern im Polsucher.
Auch am Taghimmel, mit 3000mm Teleskopbrennweite läuft ein Planet nicht aus dem Okular heraus, was ein guter Hinweis darauf ist, das die Montierung ausreichend eingenordet ist.


Der Himmel und die Bedingungen.

Mond  
Um am Taghimmel überhaupt beobachten zu können, wird ein klarer und transparenter Himmel benötigt.
Der Himmel sollte unbedingt eine richtig blaue Farbe haben und sehr transparent sein. Ein guter Hinweis auf einem transparenten Himmel bietet der Mond, falls er am Tag zu sehen ist:
Hebt sich dieser deutlich vom Himmelsblau ab, herrschen gute Bedingungen für die Beobachtung am Taghimmel.
Ist der Himmelshintergrund nur von blasser blauer Farbe oder geht dieser schon ins weiße über, so kann mit einer unbefriedigenden Beobachtung oder einer negativen Sichtung der Planeten am Taghimmel gerechnet werden.
Je blasser oder heller der Himmelshintergrund ist, desto weniger Kontrast hat ein Planet zum Himmelshintergrund. Durch Lichtstreuung an Dunst oder Areosolen hellt sich der Himmelshintergrund soweit auf, das die Planeten keinen Kontrast mehr haben und im aufgehellten Himmel verschwinden.



Das fokussieren am Taghimmel.

Um das Teleskop am Taghimmel zu fokussieren habe ich drei Methoden, die ich hier erläutere:

1.) Das Fokussieren an einem Objekt am Nachthimmel:
Das Teleskop wird dazu am Mond oder einem Planet fokussiert. Auch Sterne sind dazu geeignet, die aber möglichst nicht in der Nähe vom Horizont sind, da sonst die Luftunruhe ein fokussieren erschwert.
Bei einem Okularauszug mit einer Skala wird der eingestellte Wert abgelesen und notiert. Ohne einer Skala am Okularauszug kann die Stellung mit einem Maßstab ausgemessen und notiert werden. Es kann auch eine Lehre angefertigt werden, um den Okularauszug reproduzierbar einstellen zu können.
OAZ  
Meinem Schiefspiegler habe ich inklusive der Verlängerungshülse, den Zenitspiegel und dem Aufsuchokular nachts am Mond fokussiert. Die Stellung vom Okularauszug habe ich mir ausgemessen und davon ein Bild mit Bemaßungen angefertigt, um diesen am Tag wieder einstellen zu können.

Wichtig ist es das Teleskop am Taghimmel mit der gleichen Konfiguration wie zuvor am Nachthimmel wieder aufzubauen.
Um am Tag wieder reproduzierbar fokussieren zu können, muss der Okularauszug wieder mit der gleichen Verlängerungshülse, Reduzierung, Zenitspiegel oder anderen zuvor verwendeten Komponenten bestückt werden. Auch das Okular muss wieder das gleiche sein. Dann kann dieser mit den zuvor ausgemessenen und notierten Werten oder einer Lehre eingestellt werden.

2.) Das Fokussieren am Mond am Taghimmel:
Das ist die leichteste Methode.
Der Mond kann am Taghimmel mit einem Peilsucher leicht am Himmel gefunden werden. Da der Mond dann auch im Okular gut zu sehen ist, lässt sich auf diesem mühelos fokussieren. Ein weiterer Vorteil ist es, das durch das fokussieren am Mond auch andere Okuarbrennweiten unkompliziert eingesetzt werden können, ohne das die Gefahr besteht, den Fokus am Planeten nur schwierig oder überhaupt nicht zu treffen.

3.) Das Fokussieren an der Sonne:
An der Sonne darf nur mit auf dem Objektiv aufgesetzten und geeigneten Sonennfilter fokussiert werden. Geeignete Filter sind Filterfolien mit der visuellen Dichte ND 5.0.
Nachdem an der Sonne fokussiert wurde, wird der Okularauszug geklemmt. Die Filterfolie wird erst entfernt, nachdem das Teleskop von der Sonne wegbewegt wurde!



Das Suchen und Finden von Planeten am Taghimmel.

Ich helfe mir mit dem Programm "Cartes du Ciel" um Planeten am Taghimmel zu finden. Cartes du Ciel bietet umfangreiche Möglichkeiten der Darstellung einer Karte und bietet genaue Koordinaten der Planeten an.
Da ich mit einem Zenitspiegel beobachte, vertausche ich die Ost- Westrichtung auf der Karte. Ebenso blende ich alle Sterne, DSOs und weitere Markierungen aus und das äquatoriale Gitternetz ein.


Karte


Die Planeten stelle ich mit den Teilkreisen meiner Montierung ein.

Ich habe zwei verschiedene Methoden um einen Planeten mit den Teilkreisen zu finden:

Mein Ausgangspunkt dazu ist entweder die Sonne (diese aber nur mit einem Sonnenfilter einstellen), oder wenn vorhanden, der Mond.
Das Teleskop muss zuvor mit einer der oben genannten Methoden fokussiert werden.

In der "Direkten Methode" stelle ich die aktuellen Koordinaten der Sonne an den Teilkreisen ein.
Von dort aus bewege ich das Teleskop zu den Koordinaten der Planeten.

In der "Indirekten Methode" stelle ich die Teilkreise in Rektaszension und Deklination am Nonius auf 0 Stunden oder entsprechend auf 0°.
Hat nun die Sonne wie am 1. September 2013 eine Deklination von +8°, die Venus von –7°, so gehe ich mit der Montierung 15° nach Süden.
Venus steht an diesem Tag bei einer Rektaszension von 13 Stunden, die Sonne bei fast 11 Stunden.
Mit der Montierung muss ich dann langsam nach Osten gehen, am Nonius der Rektaszesionsachse kann ich schon abschätzen, wie weit ich das Teleskop bewegen muss.

Die Teilkreise der Montierung sollten genau und möglichst groß sein. Mit den kleinen und ungenauen Teilkreisen günstiger Montierungen sind die Chancen gering, einen Planeten mit den Teilkreisen einzustellen.
Mit den Teilkreisen meiner Losmandy G11 Montierung bekomme ich zum größten Teil schon beim ersten Versuch den Planet in das Feld vom Okular.

Das Aufsuchokular sollte so gewählt werden, das dass Feld nicht zu groß ist, und die Sonne, besonders in der Nähe der Unteren Konjunktion von der Venus, nicht mit in das Gesichtsfeld gerät. Großfeldsucher sind hier kontraproduktiv, da sie durch ihr großes Feld kein Aufsuchen in der Nähe der Sonne zulassen.
Reflexe durch die Sonne lassen sich vermeiden, indem ein Sonnenschild, evtl. aus Karton hergestellt, und dieses in der zur Sonne gerichteten Seite am Tubus anbringt.


Die Gefahren bei der Tagbeobachtung:

Bei der Tagbeobachtung muss man sich auf jedem Fall der Risiken in der Nähe zur Sonne bewusst sein.

Das Teleskop muss man in Griff haben, und vor allem muss man wissen, wenn man aufhören muss, bevor die Sonne mit im Okular steht.

Ich habe mir angewöhnt, das Teleskop langsam in die Richtung der Sonnen zu bewegen, und darauf zu achten, wenn es im Okular beginnt hell zu werden, aufzuhören sich weiter in Richtung Sonne zu bewegen.

Mit der Zeit gewinnt man die Erfahrung um abschätzen zu können, ab wann man das Teleskop nicht mehr weiterbewegen darf, notfalls mit dem Auge vom Okular ein Stück weggehen, um dann zu sehen, wie weit das Teleskop noch bewegt werden kann.

Weiter ist zu beachten:
Wird östlich oder vor der Unteren Konjunktion eines inneren Planeten beobachtet, läuft die Sonne bei einem nicht nachgeführten Teleskop oder geöffneten Klemmen einer Montierung vom Teleskop weg.
Nach der Unteren Konjunktion, wenn ein Planet westlich der Sonne steht, läuft die Sonne beim nicht nachgeführten Teleskop oder geöffneten Klemmen zum Teleskop hin.
Gerade nach Beobachtungspausen muss darauf geachtet werden, das die Sonne nicht im oder in der Nähe des Gesichtsfeld vom Okular steht.

Lassen sie ihr Teleskop auch in Beobachtungspausen nie unbeaufsichtigt stehen!

Im Okular ist die Sonne ungefiltert.
Würde jemand das Teleskop in die Sonne schwenken und dann durch das Okular schauen, dann wären Augenschäden unvermeidbar.


Meine eigene Beobachtungen:

Venus:

Juli und August 2015.
150mm, ƒ 20 Schiefspiegler.

Ich konnte im Juli und August für 14 Tage die Venussichel am Taghimmel verfolgen. Die untere Konjunktion am 15. August konnte ich nicht sehen, denn am 14. August war der letzte sonnige Tag.

Zu dieser Beobachtungsserie habe ich einen Artikel veröffentlicht: Venus wird zur Sichel.


8. und 12. Januar 2014.
150mm, ƒ 20 Schiefspiegler.

Am 8. Januar 2014 konnte ich Venus kurz vor der unteren Konjunktion beobachten, am 12. Januar 2014 nur einen Tag nach der unteren Konjunktion.
Bei beiden Beobachtungen zeigte sich im Okular eine sehr feine und schmale Venussichel.
Durch die Beobachtung vor und nach der unteren Konjunktion konnte ich auch gut die Drehung der Venussichel erkennen.

Zu diesen Beobachtungen habe ich auch einen Beobachtungsbericht geschrieben.


21. März 2009, 900 UT.
80mm, ƒ 11,4 Refraktor, Vergrößerung 103x.

Sehr auffällig. Hell und gut sichtbar.
Sehr schmale und helle Sichel.
Die Sichel ist nach Norden offen. Die Spitzen sind deutlich schwächer als der Mittelteil.


März 2009, 1230 UT.
80mm, ƒ 11,4 Refraktor, Vergrößerung 50x.

Sehr deutlich zu sehen, großer Kontrast zum Hintergrund.
Die Sichel ist sehr fein und schmal. Nach Westen offen.


Planetenbedeckungen durch den Mond:

10. Mai 2008, von 1130 bis um 1315 UT.
Bedeckung vom Mars durch den Mond.

80mm, ƒ 11,4 Refraktor, Vergrößerung bei allen Beobachtungen ist 103x.

Mars habe ich schon 1130 UT gefunden.
Er ist gut zu sehen und hebt sich durch seine Farbe gut vom Hintergrund ab.

Merkur habe ich um 1145 UT beobachtet.
Helles Scheibchen, gut zu sehen.
Merkur hat einen hohen Kontrast zum Hintergrund.

Marsbedeckung, Eintritt:
Ab ca. 1200 UT hatte ich den Mond und den Mars zusammen im Okular.
Die Grenze vom unbeleuchteten Mondrand konnte ich nicht erkennen, sondern ich musste sie abschätzen.
Die Bedeckung war um: 12 Uhr 13 Min. 55 Sek. UT.
Mars verschwand sehr schnell. Er war aber nicht plÖtzlich weg, sondern wurde kontinuierlich schwächer.

Marsbedeckung, Austritt:
Ich habe Mars beim Austritt um 1315 UT nicht sofort gesehen, sondern erst als er ein kleines Stückchen vom Mond entfernt war.
Der Kontrast zum beleuchteten Mondrand ist groß.



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